Tradition gewinnt in der Krise an Gewicht

Der Totensonntag ist vorbei und ab dieser Zeit „darf“ auch Weihnachtsschmuck aufgehängt, aufgestellt, dekoriert werden. In diesem Jahr konnten es ganz viele Kreative gar nicht erwarten, bis erste Lichterketten brannten, denn bei der Bevölkerung macht sich ein frühzeitiges Gefühl von Besinnlichkeit breit. Es ist nicht neu, dass Tradition in einer Krise an Gewicht gewinnt und so verwundert es auch nicht, dass an milden Novembertagen so viele Menschen ihre Häuser schon mit Weihnachtsschmuck ausstatten.

Der November fühlt sich in diesem Jahr wie ein goldener Oktober an. Die Sonne scheint, die Temperaturen sind mild und es wirkt komisch, wenn der Kalender anzeigt, dass es nur noch wenige Wochen bis Weihnachten sind. Dort, wo im Supermarkt Toilettenpapier gelagert findet, findet der Verbraucher gähnende Leere, aber dort, wo Kekse, Stollen, Printen, Adventskalender, Punsch und Gestecke präsentiert werden, da herrscht Fülle. Der Handel ist auf Weihnachten gut vorbereitet und auch, wenn dem Bürger bisher nicht zum Einkaufen zumute war, so haben sich seine Gedanken dahingehend verändert, dass er ganz bewusst in dieser schweren Zeit an seinen liebgewonnenen Traditionen festhalten will.

Tradition erfüllen – trotz Krise

Es wird vermutlich keine großen Weihnachtsfeiern mit Kollegen oder Sportkameraden geben, Weihnachtsmärkte in den Städten sind abgesagt, die Familienfeiern an den Festtagen fallen klein aus und noch weiß keiner, wie es um die Aktivitäten an Silvester steht. Und genau jetzt – wo das Leben so schwer geworden ist – kehrt mit eigener gelebter Tradition ein Gefühl von Wärme in das Herz ein. Wer seine Lichterkette aufhängt, Stollen und Kekse backt, den Duft von frischen Tannennadeln im Haus erlebt und an Nikolaus die Stiefel mit Süßigkeiten füllt, ab dem 1. Dezember die Türchen vom Adventskalender öffnet und die Kerzen am Adventskranz entzündet, der holt sich mit diesen Traditionen ein Stück weit Normalität in sein Haus.

Aus der Not eine Tugend zu machen ist immer dann wichtig, wenn der Alltag entgleist. In der Krise an der Tradition festhalten ist genau das, was die Gesellschaft im Moment zusammenhält. Und so ist es egal, ob im November die Sonne scheint, es ist nicht relevant, ob die Fensterbänke mit Weihnachtsschmuck überladen sind oder ob der Tannenbaum so früh aufgestellt wird, dass er Ende Dezember bereits all seine Nadeln verloren hat. Relevant ist nur, welches Gefühl entsteht, wenn man sich mit Weihnachtstraditionen beglückt. Wer an Traditionen festhält, schenkt sich selbst eine große Portion Sicherheit.

Bild: unsplash.com

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