Sei du dir selbst dein bester Freund

Es ist erstaunlich, wie gut wir uns um andere Menschen kümmern können, uns selbst aber vernachlässigen. Wir schenken unserem Arbeitgeber unsere Energie und zu Hause ist für uns selbst nichts mehr davon übrig. Warum sind wir so nett zu anderen, aber zu uns selbst oft so gemein? Warum loten wir gesundheitlich unsere Grenzen aus, ohne auf uns zu achten und zu schauen, dass es uns gut geht? Warum tun wir immer etwas für unsere Mitmenschen, aber so wenig für uns selbst? Verständnisvoll, nett und fürsorglich sollten wir daher vor allem zu unserem eigenen Ich sein.

Erzählt ein guter Freund, dass er eine Herausforderung nicht geschafft hat, dann trösten wir mit den Worten „Beim nächsten Mal klappt es bestimmt.“ Haben wir selbst eine Herausforderung nicht geschafft, dann nagen an uns Selbstzweifel und wir neigen dazu, uns klein zu machen und zu uns selbst sagen wir: „Das schaffe ich bestimmt nie.“ Wir gehen mit anderen Menschen zu oft verständnisvoll um, während wir uns selbst stiefmütterlich behandeln. Dabei sollten wir selbst die wichtigste Person in unserem Leben sein. Wir sollten unser bester Freund sein, wir sollten uns um uns kümmern, noch bevor wir uns um andere kümmern und wir sollten uns immer wieder etwas Gutes tun, um unser physisches und psychisches Wohlbefinden zu stärken. Unser Mitgefühl sollte vor allem uns selbst zuteil werden.

Studien haben gezeigt, dass es einfacher ist, Mitmenschen gegenüber Mitgefühl zu zeigen, als gegenüber sich selbst. Und da genau das nicht gesund ist, sollten wir uns im Selbstmitgefühl üben. Durch ein gesundes Maß an Selbstmitgefühl (nicht zu verwechseln mit Selbstmitleid) fühlt man sich wohler, motivierter und kann auch besser mit negativen Situationen umgehen.

Laut einer Umfrage der Techniker Krankenkasse (TK) sind hohe Ansprüche an sich selbst die häufigste Stressursache bei Frauen. Sie wollen nicht nur jedem Familienmitglied gerecht werden, sondern auch top im Job, als Mutter und Ehefrau sein. Die hohen Ansprüche an sich selbst dürfen daher ruhig etwas herunter geschraubt werden. Man muss nicht perfekt sein und es muss auch nicht alles auf Anhieb gelingen. Wer sich selbst wichtig nimmt und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt rückt, lebt glücklicher. Allerdings sollte dieses nicht zum Egoismus führen. Selbstverständlich sollte man weiterhin für andere da sein. Allerdings erst, wenn die eigenen Bedürfnisse gestillt sind.

Um sich im Selbstmitgefühl zu üben, bedarf es einer großen Portion Achtsamkeit. Anstatt aufkommende Gefühle zu verdrängen oder sie herunter zu spielen, dürfen sie bewusst gefühlt und bewertet werden. Treffen wir eine falsche Entscheidung oder verhalten wir uns falsch, dann darf dieses akzeptiert werden. Und schaffen unser selbst auferlegtes Tagespensum einmal nicht, dann dürfen wir mit einem Lächeln zu uns selbst sagen: „Ich bin eben nicht perfekt.“ Andere sind das übrigens auch nicht.

Bild: eldarnurkovic – fotolia.com

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